Innenstimmen – Das Gespräch mit dir selbst

✨ Ein Gespräch, das du nicht führst

Du redest. Aber nicht mit dir. Vielleicht beginnt hier das Gespräch, das kein Gegenüber braucht.
Du hörst dich selbst nicht, weil du dich übertönst. Weil Nähe etwas sagt, das du lange nicht hören wolltest.

🗣️ Der innere Dialog

Stimme 1: Ich spür da was. Irgendwo. Im Bauch. Oder Rücken. Weiß nicht.
Stimme 2: Was macht’s mit dir?
Stimme 1: Keine Ahnung. Es ist einfach da. Ich hab’s ignoriert. Lange. Jetzt ist’s lauter.
Stimme 2: Willst du wissen, was es ist?
Stimme 1: Weiß nicht. Ehrlich gesagt – nein. Ich glaub, ich will nur, dass es weggeht.
Stimme 2: Und wenn’s da ist?
Stimme 1: Dann weiß ich nicht, wie ich weiter funktionieren soll.

🧘 Praxis: Geh ins Gespräch – mit dem, was du spürst

  • Dauer: 2–3 Minuten
  • Ort: In dir
  • Anleitung: Setz dich. Oder steh. Hauptsache: Du bist anwesend.

Frag deinen Körper:
Was willst du sagen – ohne Sprache?
Hör, ohne zu suchen. Warte, ohne zu wollen.

🧠 Spürwissen: Wenn der Körper antwortet

Es sagt nichts. Und doch – du spürst: Etwas hört dir zu.
Und wenn du dabei nichts spürst – vielleicht war gerade das der Punkt.

Stimme 2: Was wäre, wenn du es nicht verdrängst?
Stimme 1: Dann … müsste ich hinsehen. Müsste ich fühlen. Und ich glaub, ich hab Angst davor, was das auslöst.
Stimme 2: Du musst nichts tun. Nur nicht weggehen.
Stimme 1: (Stille.)

💬 Reflexion: Wem weichst du aus?

Nicht: Wem weichst du aus?
Sondern: Welche Stimme in dir lässt du nie zu Wort kommen?

  • Die Zarte?
  • Die Müde?
  • Die Wütende?
  • Oder die, die längst alles weiß – aber keine Bühne bekommt?

Kein Gespräch in Worten. Nur: ein inneres Nicken, das lange unbeantwortet blieb. Oder auch nicht. Vielleicht ist es leer. Und das ist nicht falsch.

📖 Theorie: Kommunikation beginnt im Nervensystem

Du denkst: Reden ist mit Worten. Aber dein System spricht vorher.
Ziehen. Enge. Impuls zum Weggehen. Alles Sprache.

Stephen Porges nennt das neurozeptives Lauschen: Dein Körper hört, auch wenn du noch nichts formulieren kannst.
Manchmal ist das Schweigen selbst der Dialog.

🌍 Alltagseinbettung: Gespräch ohne Worte

  • Beim Zuhören – Wo ist deine Aufmerksamkeit?
  • Nach einer Nachricht – Was sagt dein Körper?
  • Beim Rückzug – Wer spricht da in dir?
  • Beim Gehen – Welcher Teil will gerade ankommen?
  • Im Liegen – Welche Stimme in dir atmet gerade mit?

Nicht jedes Gespräch ist außen. Manche passieren – leise – zwischen dir und dir.

🔁 Resonanzraum: Stimmen der Leser:innen

Nicht jede:r liest dieses Buch gleich. Manche steigen ein – und aus. Manche bleiben, obwohl sie nicht wollten. Und manche spüren erst später, was geblieben ist.

„Ich wollte es weglegen.“
Hab’s trotzdem nochmal gelesen. Nicht, weil ich’s verstanden hätte – sondern weil etwas in mir still wurde.

„Ich versteh es nicht.“
Aber irgendwas hat mich getroffen. Vielleicht war es das, was zwischen den Zeilen nicht gesagt wurde.

„Ich habe nicht geübt – aber etwas ist geblieben.“
Ich habe das Buch nicht von vorn nach hinten gelesen. Ich bin reingefallen. Abgebrochen. Wiedergekommen. Ich habe keine Übung gemacht. Ich habe keinen Vier-Wochen-Plan durchgehalten. Aber ich habe angefangen, am Türrahmen stehen zu bleiben. Zwei Atemzüge. Nicht aus Prinzip. Sondern weil ich gemerkt habe: Hier ist niemand. Nur ich. Oder?

🌀 Stimme des Zweifels

Ich glaube dir nicht.
Nicht, dass du da bist.
Nicht, dass du atmest.
Nicht, dass du spürst.

Du sagst „Ich bin da“
und meinst: „Ich will, dass etwas passiert.“
Ich glaube dir nicht.

Und vielleicht brauchst du genau das.
Dass dir mal jemand nicht glaubt.
Nicht zustimmt.
Nicht still nickt, wenn du sagst:
„Ich war ganz bei mir.“

Vielleicht warst du es nicht.
Vielleicht warst du nirgendwo.
Und das ist okay.

Vielleicht spürst du erst wirklich etwas –
wenn du aufhörst, es zu behaupten.

🌙 Ausklang

Vielleicht ist da kein Gespräch.
Nur: ein Lauschen, das nicht mehr wartet.
Oder: Stille, die nicht weicht.
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