Spürwörter – Wenn dein Körper spricht

✨ Worte aus dem Spüren

Spürwörter sind keine Diagnosen. Sie benennen keine fertigen Gefühle – sondern Umrisse, Bewegungen, Stimmungen im Körper. Sie helfen dir, das Unbenannte zu berühren. Nicht im Kopf – sondern dort, wo etwas lebt, vibriert, sich regt.

🧘 Praxis: Wie du Spürwörter verwenden kannst

Wähle ein Spürwort, das zu deinem inneren Erleben passt – oder kreiere ein eigenes. Du kannst es aufschreiben, aussprechen, innerlich wiederholen. Du kannst auch einfach bei einem Wort verweilen und spüren, was es in dir bewegt.

  • Schreibe: „Heute fühlt es sich an wie …“
  • Sprich laut: „Ich spüre …“
  • Spüre: Welche Körperregion meldet sich, wenn du das Wort aussprichst?
  • Ergänze: „… und das darf gerade so sein.“
Was ist der Unterschied?
Ein Gefühl ist oft eine komplexe Mischung aus körperlichen Empfindungen, Gedanken, Erinnerungen – manchmal klar, manchmal überfordernd. Ein Spürwort hingegen ist kleiner, feiner, leichter zugänglich. Es benennt nicht das ganze Gefühl – sondern öffnet eine Tür zu ihm. Wie ein Fühler ins Innere. Kein Etikett, sondern ein Anklopfen.

🧠 Verbindungen: Affect Labeling & Gewahrsein

In der Psychologie spricht man vom Affect Labeling – der bewussten Benennung eines Gefühls. Studien zeigen: Wer benennen kann, was er fühlt, erlebt oft eine Regulation der Emotionen. Die Amygdala reagiert weniger heftig – das Wort wirkt wie eine Berührung von innen.

Hinweis: Affect Labeling ist kein Wundermittel. Manche Menschen spüren nichts – oder zu viel. Wenn Worte unangenehm verstärken oder den Körper übergehen, ist es hilfreich, zuerst wieder in die Sinneswahrnehmung zu kommen – z. B. durch Atmung oder Kontakt zur Umgebung. Mehr dazu findest du in deinem Buchkapitel über Überreizung.

📚 Weiterführende Links

🌙 Poetischer Ausklang

Manchmal ist da nur ein Hauch.
Ein Schimmer von Gefühl, ein tastender Klang.
Kein Name – nur ein Spürwort.
Und das reicht.
Denn du warst da.
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