Der Zwischenmoment – Spanda spüren, bevor du reagierst
✨ Was passiert, bevor etwas passiert?
Es gibt einen Moment, in dem du noch nicht sprichst – aber auch nicht schweigst. Noch nicht gehst – aber auch nicht bleibst. Es ist der Zwischenmoment. Im tantrischen Yoga ist dieser Zwischenraum nicht leer. Er ist lebendig. Er vibriert – als Spanda: das feinste Pulsieren des Gewahrseins, das allem Handeln vorausgeht.
Inhaltsübersicht
🧘 Praxis: Spanda im Zwischenmoment
Dauer: 1 Minute. Wann: Direkt nach dem Einatmen. Oder kurz vor dem nächsten Schritt.
- Spür das Innehalten – zwischen zwei Atemzügen.
- Verweile im Übergang. Nicht im Tun. Nicht im Lassen. Im Dazwischen.
- Warte nicht. Reagiere nicht. Lausche.
- Vielleicht spürst du: ein inneres Zittern. Ein kaum merkliches Vibrieren. Das ist Spanda.
🧠 Spürwissen: Zwischen Reiz und Reaktion
Spanda ist kein Gedanke. Keine Absicht. Kein Konzept. Es ist die erste Regung des Gewahrseins – bevor es Form annimmt.
Neurowissenschaftlich entspricht dies dem „prä-reflexiven Raum“ – ein winziger Zeitraum (250–500 ms), in dem das Nervensystem Informationen wahrnimmt, bevor sie als Handlung oder Sprache umgesetzt werden.
Der Zwischenmoment ist nicht leer – er ist offen. Wer hier verweilt, begegnet dem Ursprung.
🎧 Audioanleitung
Hör dir die Spanda-Resonanz an (Audio) – 90 Sekunden zwischen Atemzug, Stimme und Stille.
📚 Weiterführende Links
- Spanda als Puls des Gewahrseins (Essay)
- Glossar: Spürbewusstsein
- Verwandt: Der Moment davor
- Libet-Experiment – Das Gehirn trifft Entscheidungen vor dem Bewusstsein
🌙 Poetischer Ausklang
Vielleicht ist es nicht das Tun,
das dich verändert –
sondern der Moment davor.
Dort, wo noch nichts entschieden ist,
vibriert das Leben.
Spanda. Zwischen dir und der Welt.