Tantrik Yoga Eric Steinert

Philosophie

PHILOSOPHIE

Bewusstsein ist nicht etwas,
das man erreicht.
Etwas, das man wiedererkennt.

Der Kaśmīr-Śaivismus — eine phänomenologische Philosophie aus dem 8. bis 11. Jahrhundert, die das Bewusstsein nicht als Errungenschaft beschreibt, sondern als Grund.

GRUNDFRAGE

Was ist dort, bevor etwas ist?

Die westliche Philosophie nennt es das Hard Problem: Wie entsteht Erleben aus Materie? Der Kaśmīr-Śaivismus dreht die Frage um. Erleben ist nicht das, was erklärt werden muss. Es ist das, von wo aus erklärt wird.

Dieser Unterschied ist nicht nur akademisch. Er ändert die Praxis.

KERNBEGRIFF

Vimarśa — das
Selbstgewahrsein
des Bewusstseins.

Vimarśa ist nicht ein weiterer Akt des Denkens. Es ist das, was das Denken von innen erleuchtet. Ohne diesen stillen Mitvollzug wäre jede Erfahrung nur ein Ereignis unter Ereignissen — nicht meine.

Die Spannung: Vimarśa ist zu nah, um angeschaut zu werden. Jeder Versuch, es zu finden, setzt es schon voraus.

GLOSSAR

Fünf Begriffe, konsequent gehalten.

Citचित्
Bewusstsein als Grund — nicht als Inhalt, sondern als Licht, in dem alle Inhalte erscheinen.
Spandaस्पन्द
Das pulsierende Selbstgewahrsein der Wirklichkeit. Die feinste Bewegung, die noch keine Form ist.
Vimarśaविमर्श
Das Sich-selbst-Erfassen des Gewahrseins. Nicht Reflexion — Präsenz im Präsentieren.
Pratyabhijñāप्रत्यभिज्ञा
Wiedererkennen. Der Weg: nicht etwas Neues lernen, sondern erkennen, was immer schon da ist.
Gewahrsein
Im Deutschen: das, was vor jedem Inhalt da ist. Konsequent unterschieden von „Bewusstsein“ als Inhalt.