Der Moment davor – Entscheidung spüren, bevor du handelst

✨ Schwellen, die du nicht siehst

Du atmest ein. Eine Regung taucht auf – ein Impuls, ein Wunsch, ein Widerstand. Und dann? Meist tust du. Oder du denkst. Aber manchmal … spürst du.

In diesem Zwischenraum, dem Moment davor, liegt eine stille Wahl. Kein Entschluss im Kopf – sondern ein Innehalten im Körper.

🧘 Praxis: Spür die Schwelle

Dauer: 1 Minute – am besten direkt in einem echten Entscheidungsmoment.

  1. Beobachte den Moment, wenn du etwas tun willst – sprechen, klicken, gehen.
  2. Spür den Impuls im Körper: Bauch? Kehle? Schultern?
  3. Halte inne – nur für einen Atemzug.
  4. Frag nicht „Was soll ich tun?“ – sondern: „Bin ich schon da?“
  5. Dann wähle – aus Kontakt, nicht aus Automatismus.

🧠 Spürwissen: Affekt, Regulation & Entscheidung

Handlung beginnt selten im Denken. Sie beginnt im Körper – mit Spannung, Erregung, Rückzug. Wer den Moment davor spürt, erkennt den Übergang zwischen Reiz und Reaktion. Genau dort entsteht Wahlfreiheit.

Peter Levine nennt das „Titration“ – kleine Dosen von Spannung bewusst spüren, um nicht überwältigt zu werden. Achtsamkeit in Mikrosekunden. Im Körper. Als Schwelle.

💬 Reflexion: Reaktion oder Gewahrsein?

  • Was geschieht zuerst – das Spüren oder das Handeln?
  • Wo im Körper beginnt deine Reaktion?
  • Wie fühlt sich der Moment an, bevor du sprichst?

Vielleicht ist der Moment davor kein Hindernis – sondern die Einladung, dich selbst zu wählen.

📚 Weiterführende Links

Neurobiologischer Hintergrund: Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschreibt mit der Somatischen Marker Hypothese, wie emotionale Körperempfindungen – sogenannte Marker – unbewusst unsere Entscheidungen steuern. Diese somatischen Schwellen spürst du oft bevor du denkst – als Knoten im Bauch, Druck in der Kehle oder Anspannung im Rücken. Wenn du innehalten kannst, wird dieser Moment zur Tür: von automatischem Reagieren hin zu bewusster Wahl.

🌙 Poetischer Ausklang

Vielleicht bist du schon mitten drin –
im Moment vor der Entscheidung.
Kein Tun. Kein Lassen.
Nur: ein Raum zwischen zwei Atemzügen,
in dem du nicht willst, sondern wirst.
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