Yoga Nidra – yogischer Schlaf – ist eine geführte Meditationsform, bei der der Körper vollständig ruht, während die Aufmerksamkeit wach bleibt. Der Zustand liegt zwischen Schlafen und Wachen: das Nervensystem entspannt, das Gewahrsein aktiv.
Was in dieser Praxis passiert
Eine Sitzung führt systematisch durch den Körper – ein Durchgang durch alle Körperteile in rascher Folge, der das somatische Nervensystem in einen Ruhezustand bringt, ohne den Geist einzuschläfern. Auf den Körperscan folgen Atemsgewahrsein, innere Bilder und das Arbeiten mit einem Sankalpa – einer kurzen mentalen Absicht, die am Anfang und Ende der Sitzung gesetzt wird.
Das Ergebnis ist kein Schlaf, aber auch kein gewöhnliches Wachen. Wer diese Schwelle kennt, weiß, was damit gemeint ist: ein Moment, in dem Körper und Geist sich entkoppeln, und in dem das Gewahrsein sich als das zeigt, was übrig bleibt.
Herkunft
Yoga Nidra greift auf tantrische Nyāsa-Praktiken zurück – systematische Techniken der Aufmerksamkeitslenkung durch den Körper –, wurde aber im 20. Jahrhundert durch Swami Satyananda Saraswati in eine lehrbare, zugängliche Form überführt.
Praxis
Liegend, 20 bis 45 Minuten. Der Einstieg ist niederschwellig – eine geführte Aufnahme genügt. Wer öfter praktiziert, merkt, dass das Absenken in den Zwischenzustand schneller und gezielter wird.